Feuerwehr probt für den Ernstfall

Wie in jedem Jahr sollte auch in diesem Herbst eine Übung den einen abschließenden Rahmen um die Wissensvermittlung und Praxisarbeit der Feuerwehr bilden.
Nur wenige der Kameraden der Feuerwehren aus Thonhausen, Vollmershain und Mannichswalde waren in das Szenario eingeweiht. Also waren die meisten der freiwilligen Helfer erschrocken, als an einem Samstagnachmittag, der bis dahin ruhig und sonnig war, die Sirenen im Dorf  erhallten. Nun hieß es Ruhe bewahren, den Kopf zusammen nehmen und überlegen was man in so vielen theoretischen und praktischen Ausbildungen gelernt hatte.
Wo liegt der Autoschlüssel? Und nun auf dem schnellsten Weg ins Gerätehaus nach Wettelswalde. Ich weiß – ich dürfte etwas schneller fahren als erlaubt – aber mit einem Unfall auf der kurzen Strecke und dem Risiko verletzter Personen ist niemanden geholfen. Außerdem haben andere Kameraden einen weiteren Weg als ich. So siegt die Vernunft und ich komme auch so nach kurzer Zeit als einer der Ersten  – zumindest aber als erster Gruppenführer im Gerätehaus an. Ich weiß was das bedeutet: Einsatzleitung!
Ein wenig Aufregung macht sich breit, wobei ich die jetzt gar nicht gebrauchen kann. Dennoch ist mir klar was es zu tun gibt, und so melde ich mich erstmal bei der Leitstelle in Gera, welche für die Einsatzkoordination im Ostthüringer Raum verantwortlich ist, um zu erfahren was passiert ist und wo das eigentliche Einsatzziel liegt: „PKW-Unfall im Gebiet der Agrargenossenschaft Wettelswalde. Eine verletzte Person. Einsatzübung!“ Das letzte Wort der jungen Frau am anderen Ende der Strippe beruhigt mich ungemein. Eine gute Möglichkeit in dieser Übung sein Wissen anzuwenden, aber auch um durch mögliche Fehler zu lernen. Wie jeder weiß, ist Letzteres der unschönere Weg. Ich schlüpfe schnell in meine Uniform und Stiefel, während sich immer mehr Kameraden vor ihren Spinden umziehen. Schnell sind die Gruppen aufgeteilt, und sitzen in den Fahrzeugen. Eine kurze Absprache mit einem weiteren Gruppenführer um letzte Einsatzpläne abzusprechen – und schon geht es mit Blaulicht zum Einsatzort. Vor Ort sehe ich schon zwei Einsatzbeobachter. Sie notieren Details der Übung, wie Übungszeit, Aufteilung der Aufgaben innerhalb der Gruppen, Aufstellung der Fahrzeuge usw. und werten diese später aus. Doch die kritischen Beobachter muss, und kann ich in diesem Moment ausblenden.
Ein Trupp kümmert sich sofort um die Person im Auto, während andere dafür sorgen, dass im Brandfall des Autos genügend Wasser und Schaum zu Verfügung steht um die Dieselbehälter der Tankstelle, welche sich in unmittelbarer Nähe zum Unfallfahrzeug befinden, schützen zu können. Die Kameraden der Wehr aus Vollmershain unterstützen den Aufbau der Wasserleitung. Mir kommt es vor als vergingen bis zum Ankommen des ersten Wassers am Einsatzziel Stunden. Bei der abschließenden Auswertung stellt sich heraus, dass bis zu diesem Moment tatsächlich nur wenige Minuten vergingen.
Versuche die verunfallte Person aus dem Auto zu befreien, stellen sich hingegen als echte Herausforderung heraus. Das Unglücksopfer ist ohne Bewusstsein und eingeklemmt. Die Partnerwehr aus Mannichswalde, deren Martinshorn schon hörbar näher kommt, hat glücklicherweise entsprechende Hilfsmittel um uns in diesem Vorhaben zu unterstützen. Nach kurzer Zeit gelingt es das Auto mit einer überdimensional großen Schere so aufzuschneiden, dass die eingeklemmte Person befreit und den Sanitätern übergeben werden kann. Nun heißt es: zum Abmarsch fertig!“
Während die benötigten Hilfsmittel wieder in den Autos verstaut werden, können sich zu Übungszwecken weitere Kameraden an der Schere und dem dazugehörigen Spreizer versuchen. Nach etwa 7 Minuten gelingt es mir eine weitere Tür zu öffnen. Meine Arme sind nun schwer wie Blei und ich bemerke erst jetzt, dass mein T-Shirt, welches ich unter der Uniform trage, durchgeschwitzt ist. Zurück im Gerätehaus kann ich nun erst einmal duschen und in trockene Wechselklamotten steigen. Nach einer Stärkung mit Mutzbraten wird die gesamte Übung aus verschiedenen Ansichten analysiert und ausgewertet. Bis zum Abend lies man dann den Nachmittag bei einem Bier und allerlei Gesprächen gemütlich ausklingen.

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